Businesstext effizient formulieren - Businesstexte psychologisch gestalten

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"Warum wird so einer wie du eigentlich Psychologe?" Dies fragte mich ein Assistent, als ich an der WiSo promovierte. "Warum hast du nichts Anständiges gelernt? Psychologie? Wichtig. Aber das macht man doch nebenher!"
"Nur so nebenher? Dafür macht's zu viel Spaß."

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Mein Weg in die Psychologie

Kohlenpott, Freud, Statistik, Freud
und späte Einsicht

Die moderne Psychologie ist eine empirische Wissenschaft. Sie orientiert sich an der traditionellen Naturforschung. Das Ideal ist die Physik. Die Methoden und Experimente dieser sehr weit fortgeschrittenen Wissenschaft sind das Leitbild der meisten Forscher, die an den Universitäten Psychologie lehren.
Viele Laien allerdings, die sich für Psychologie interessieren, empfinden die Statistiken und Tabellen der modernen Psychologie eher als langweilig. Sie bevorzugen die Bücher und Artikel populärwissenschaftlicher Schriftsteller oder Journalisten.

Diese Autoren verstehen die Psychologie als Erzählkunst. Sie stehen Freud näher als den modernen Psychologen. Freud begriff sich in erster Linie als Schriftsteller im Geiste Goethes und nur in zweiter Linie als Psychotherapeut. Es ist daher auch kein Wunder, dass Freud den meisten akademischen Psychologen unseres Jahrhunderts eher suspekt ist. Sie halten die Psychoanalyse für eine vorwissenschaftliche Psychologie.

Als ich vor rund dreißig Jahren Psychologie zu studieren begann,  war ich ein leidenschaftlicher Anhänger der orthodoxen Psychoanalyse, für die ich mich bereits während der Pubertät interessierte. Meine Ideen und Erklärungen aus psychoanalytischer Sicht stießen jedoch bei meinen Professoren und Dozenten auf wenig Gegenliebe. Sie weigerten sich, ernstlich darüber zu diskutieren; manche schienen sogar stolz darauf zu sein, dass sie sich niemals vertieft mit den Gedanken Freunds auseinandergesetzt hatten.

Für mich war das ein herber Schock. Mir war zwar klar, dass die akademische Psychologie der Freud'schen Lehre eher skeptisch gegenübersteht - dass aber die Skepsis sich als pure Ignoranz entpuppen würde, hatte ich nicht erwartet. Natürlich wollte ich nicht klein beigeben - und so begann ich, in den Seminaren die Psychoanalyse zu propagieren und entwickelte dabei beinahe missionarische Züge. Die Professoren ignorierten meine Beiträge, und mit der Zeit stöhnten die meisten Kommilitonen auf, wenn ich nur das Wort ergriff. Nur wenige waren so wie ich von der Psychoanalyse fasziniert.

Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich nur drei Mitstreiter: Einer wechselte in die Medizin, der zweite ging an eine andere Uni, wo angeblich ein der Psychoanalyse wohlgesonnener Professor lehrte. Der dritte wanderte wegen eine Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in den Knast. Dann war ich allein - und musste schließlich erkennen, dass es keinen Sinn hatte, die freudianischen Perlen vor die Säue zu werfen. Mit der Psychoanalyse beschäftigte ich mich fortan ausschließlich im stillen Kämmerlein. Außerdem führte ich einen psychoanalytischen Briefwechsel mit einer Freundin in einer anderen Stadt. Doch als diese plötzlich schwanger wurde und ihren Psychoanalytiker heiratete, versiegte auch diese Quelle psychoanalytischer Inspiration zu meinem großen Bedauern.

Das Grundstudium ließ mir, je näher das Vordiplom rückte, immer weniger Zeit für voluminöse psychoanalytische Werke. Vielmehr riefen die Lehrbücher der Statistik, der Messtheorie, der Neurophysiologie, Sinnesphysiologie, Ethologie, der experimentellen allgemeinen Psychologie. Diesem Ruf entsprach ich pflichtbewusst, aber widerwillig. Dank meines Fleißes eignete ich mir schnell ein beachtliches Wissen an - und erntete die Anerkennung meiner Dozenten. Manchmal meinte ich ein listiges Grinsen in ihren Augenwinkeln zu entdecken, wenn sie mich lobten. Doch je mehr meine psychoanalytischen Ideen verblassten, desto weniger war ich in der Lage, solche Signale wahrzunehmen oder gar zu deuten.

Nach bestandenem Vordiplom hatte ich mich in einen leidenschaftlichen empirischen Psychologen verwandelt, der mit Inbrunst die moderne naturwissenschaftliche Psychologie gegenüber vorwissenschaftlichen Abirrungen wie der Psychoanalyse verteidigte. Als ich später im klinischen Bereich tätig wurde und mit tiefenpsychologisch orientierten Ärzten und Psychologen zusammenarbeiten musste, öffnete ich mich wieder dem psychoanalytischen Denken und verteidigte vehement dessen Nützlichkeit in der Praxis.

Man mag mich nun einen Opportunisten nennen oder gar der Charakterlosigkeit zeihen. Doch dann hätte man den wirklichen Grund meines Wankelmutes nicht erfasst. Im Kern war ich mir nämlich stets treu geblieben. Als Junge aus dem Arbeitermilieu des Ruhrpotts, der sein Abitur auf dem Abendgymnasium nachgemacht hatte, war ich im Grunde meines Herzens stets ein hemdsärmeliger Pragmatiker geblieben, der den theoretisch unverklärten Blick auf die Realität bevorzugt.

Meine Ideologien habe ich dem jeweiligen Umfeld - mehr oder weniger widerstrebend - angepasst. Dies konnte ich, weil mich weder die Psychoanalyse, noch die naturwissenschaftlich empirische Psychologe im Herzen berührten. Sie ließen mich kalt, auch wenn ich sie mit ehrlicher Leidenschaft propagierte und verteidigte.

Heute, etwas älter und vielleicht klüger geworden, schätze ich das psychologische Wissen aus beiden Bereichen nicht gering. Es handelt sich hier um Modelle und Werkzeuge begrenzter Nützlichkeit. Man kann sie durchaus mit Erfolg einsetzen, sofern man dabei pragmatisch die ungeschminkte Realität im Blick hat. Und diese Realität wird man nicht erfassen, wenn man sie nur aus psychologischer Perspektive betrachtet.

 

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