Ist es nicht ein großes Vergnügen, einen Text zu lesen, der uns aus der Seele spricht, der unseren Verstand fesselt und uns in ein Bad der Gefühle taucht? Die Welt um uns herum scheint zu versinken und wir vergessen die Zeit. Das ist Flow beim Lesen, das vollkommene Glück.

Durch automatische Gedanken zur Flow-Erfahrung

Ich entscheide

Die Grundform des automatischen Gedankens ist das Ja zu einem Statement, das der Angesprochene unmöglich verneinen kann. Die Psychologie bezeichnet eine solche Aussage als Truismus. Truismen spielen eine bedeutende Rolle in der Einleitung von Hypnosen - auch ein Geschäftstext sollte sie mit Fingerspitzengefühl einsetzen.

Eine Werbung für die Frauenzeitschrift WOMAN beginnt zum Beispiel mit der Frage: "Ganz ich?" Welche Frau, mit Ausnahme einer multiplen Persönlichkeit, würde diese Frage schon verneinen? Dieses automatische Ja soll natürlich ein Glaubenssystem mit dem Kürzel "Selbstbewusste Frau" aktivieren.

Die nächste Frage lautet: "Ganz schön?" Die vom Texter angestrebte Antwort heißt: "Na ja!" Schließlich wäre eine selbstbewusste und zugleich vollkommene Frau eine Göttin - echte Göttinnen aber gehen nicht shoppen.

Die dritte Frage: "Ganz und gar?" Erhoffte Antwort: "Klar, ich stehe zu meinen kleinen Schwächen!"

"Oder ganz anders?"

Automatischer Gedanke: "Immer. Neues ausprobieren macht Spaß."

Nachdem die Umworbene nun auf der Leiter ihrer automatischen Gedanken emporgestiegen ist, füllt das Glaubenssystem "Selbstbewusste Frau" den Raum ihres aktuellen Bewusstseins. Vor diesem Hintergrund spricht die nächste, abschließende Aussage der Umworbenen - so hofft der Texter - aus der Seele: "Ich entscheide. WOMAN."

Freiheit und Bindung

Ein literarischer Text soll Leser unterhalten, bilden, in Begeisterung versetzen, ergreifen, moralisch aufrüsten oder wie auch immer kultivieren. Das sind reichlich unspezifische Ziele. Demgegenüber hat ein Geschäftstext ein sehr spezifisches Ziel. Er soll den Leser zu einer Entscheidung bewegen, die im Interesse des Unternehmens liegt, vom dem der Geschäftstext stammt. Nicht nur schöngeistige Texte, wie z. B. Romane und Stücke, zählen zu den literarischen Texten, sondern auch gute, ausgewogene journalistische Arbeiten.

Literarische Texte wollen ihren Lesern Freiheit geben, sie zu eigenen Gedanken anregen, wohingegen Businesstexte die Leser an Unternehmensziele binden wollen. Es gibt sicher gleitende Übergänge zwischen diesen beiden Textgattungen. Der entscheidende Unterschied zeigt sich aber besonders deutlich, wenn man Reinformen einander gegenüberstellt. Der Autor eines Geschäftstexts muss also andere Methoden beherrschen als der Literat oder Journalist.

Das Grundmuster

Fazit: Ein effektiver Geschäftstext versucht, automatische Gedanken auszulösen, um Glaubenssysteme ins Bewusstsein zu heben, sie ggf. zu modifizieren oder aus vorhandenen Bewusstseinsinhalten neu zusammenzustellen. Vor dem Hintergrund dieser Glaubenssysteme soll die angestrebte Entscheidung bzw. Handlung / Reaktion des Lesers als die sinnvollste aller Alternativen erscheinen. Das beabsichtigte Leserverhalten (z. B. der Kauf einer Ware) soll also mit den Gedanken, Gefühlen und Stimmungen übereinstimmen, die durch die Glaubenssysteme hervorgerufen wurden. Genau dann nämlich wird der Leser seine im Geschäftsinteresse des Unternehmens liegende Entscheidung als rational erleben. Genau dann sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er sie später bereut.

Leser im Flow

Der Begriff des "Flow" wurde von dem ungarischen Psychologen Mihaly Csikszentmihaly geprägt und empirisch erforscht. Er versteht unter "Flow" einen optimalen Zustand innerer Erfahrung. In diesem Zustand herrscht Ordnung im Bewusstsein. Der Name "Flow" bezieht sich auf das innere Erleben von Menschen, die sich im Zustand optimaler Erfahrung befinden. Alles fließt. Stimmungen, Gefühle, Gedanken und Handlungen verschmelzen zu einem Strom konzentrierter psychischer Energie. Flow entsteht, wenn die Informationen, die ins Bewusstsein dringen, mit den Zielen des Individuums übereinstimmen.

Man kann Flow bei allen erdenklichen Beschäftigungen erleben: beim Umgraben im Garten, beim Konstruieren einer Maschine, beim Wandern, beim Musizieren, beim Einkaufen, in der Liebe, wo und wann auch immer, und natürlich beim Lesen. Ein gut gezimmerter Geschäftstext versetzt seine Leser in Flow. Das ist der Anspruch. Durch geschickte Wortwahl hat der Autor dafür gesorgt, dass die Glaubenssysteme des Lesers und die ihm zugemuteten Entscheidungen bzw. Ziele gut zusammenklingen. So entsteht Flow.

Psyteg: Inhalt

Emop: Inhalt


Literaturempfehlung

Csikszentmihalyi, M. (1992). Flow. Das Geheimnis des Glücks. Stuttgart, Klett-Cotta

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