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Sprachbilder eignen sich hervorragend, fein abgestimmte Gefühle hervorzurufen. Sie sind allerdings keine perfekte Gefühlskontrolle und können Missverständnisse auslösen. Sie gleichen Gewürzen: Man darf nicht zu viel, nicht zu wenig nehmen und sie müssen zur Speise passen.
Eine der beliebtesten Metaphern im Wirtschaftsleben ist das Bild des Unternehmens als Schiff, das von einem Kapitän auf Kurs gehalten wird.
Diese Bild weckt eine Reihe von Gefühlen, die aufeinander abgestimmt sind. Das Schiff ruft die Vorstellung des Meeres hervor, das Meer bedeutet Gefahr. Das Schiff selbst vermittelt Schutz vor dieser Bedrohung. Der Kapitän ist der Garant dieser Sicherheit, solange er das Schiff und seine Mannschaft fest im Griff hat. Mit dem Bild des Kapitäns ist das Gefühl des Schutzes durch eine dominante Figur verbunden.
Metaphern eignen sich hervorragend, "synchronisierte" Gefühle auszulösen. Doch Vorsicht: Das Sprachbild übt keine vollständige Kontrolle über die stimulierten Gefühle aus. In schwierigen Situationen assoziiert der Leser mit dem Schiff vielleicht auch die Titanic und mit dem Kapitän den "Seewolf".
Daher sollte das Sprachbild in ein Spektrum gleichsinniger Maßnahmen integriert werden, die seine Wirkung flankieren. Generell gilt natürlich: Je genauer das Sprachbild den Nagel auf den Kopf trifft, desto weniger ist es auf Schützenhilfe angewiesen.
Es gehört mittlerweile zur Allgemeinbildung, dass die beiden Hälften unseres Gehirns schwerpunktmäßig unterschiedliche Funktionen haben. Die linke Hälfte ist u. a. für Ratio, Logik, Regeln, das Rechnen und die Analyse zuständig.
Die rechte Gehirnhälfte ist u. a. auf Gefühle, Intuitionen, ganzheitliches Empfinden und auf Sprachbilder spezialisiert. Dies erklärt vermutlich auch die enge Verbindung zwischen Sprachbildern und Gefühlen.
Sigmund Freund unterschied zwei mentale Prozesse, den Primärvorgang und den Sekundärvorgang. Der Primärvorgang kennzeichnet die Prozesse im Unbewussten. Der Sekundärvorgang entspricht dem Bewusstsein bzw. den Prozessen an der Schwelle zum Bewusstsein. Grob vereinfacht könnte man den Primärvorgang mit der Sprache des Traums und den Sekundärvorgang mit Logik und Verstand gleichsetzen. Es liegt nahe, die physiologische Basis dieser beiden Vorgänge in der rechten und der linken Gehirnhälfte zu sehen.
Sprachbilder sind also ein Weg ins Unbewusste. Es ist daher auch nicht weiter erstaunlich, dass Metaphern eine wichtige Rolle in der Hypnose spielen.
Sprachbilder sind wie Gewürze. Man darf nicht zu wenig nehmen, nicht zuviel - und sie müssen zur Speise passen. Das Problem der Quantität bedarf, auch dank des Sprachbilds "Gewürze", keiner näheren Erläuterung. Das Sprachbild muss nicht nur zur "Speise", also zum Text passen, weil Stilbrüche oder Verletzungen der Konvention natürlich vermieden werden müssen. Beinahe wichtiger ist die Steuerung des Textverständnisses durch Sprachbilder. Zentrale Konzepte nämlich entscheiden wesentlich darüber mit, wie ein Leser einen Text auffasst.
Der Satz "Zum Glück war da ein Heuhaufen, weil der Stoff riss!" ist unverständlich. Heißt aber die Überschrift: "Mein letzter Fallschirmabsprung", dann ist für jeden klar, was gemeint ist.
Sprachbilder, vor allem gut gewählte, zündende Sprachbilder sind natürlich zentrale Konzepte. Wenn man sie nun auch noch an den Anfang platziert, um den Leser neugierig zu machen und emotional einzustimmen, dann bringen sie entweder die "Speise" zur Geltung wie ein passendes Gewürz, oder sie sind... Banane mit Essig.
Hülshoff, T. (1999). Emotionen. München, Ernst Reinhardt Verlag
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